Die Appenzeller Bahnen AG will den alten Bahnhof Trogen (Aufnahmegebäude mit angebautem Güterschuppen) abreissen und durch einen Neubau mit Wohn- und Gewerbenutzung ersetzen (St.Galler Nachrichten, 11.07.2017). Die Haltestelle sei veraltet und entspreche nicht mehr den heutigen Bedürfnissen, steht in der Zeitung. Gegen das Projekt gibt es auf verschiedenen Ebenen Widerstand: Der Heimatschutz Appenzell Ausserhoden hat im Oktober 2017 gegen das von den Appenzeller Bahnen eingereichte Abbruchgesuch Einsprache gemacht (Tagblatt, 08.07.2017). Zudem läuft eine Sammeleinsprache des Vereins «Alter Bahnhof Trogen», der sich seither für eine sanfte Neugestaltung des alten Bahnhofs und seiner Umgebung einsetzt. 

Das besondere am Bahnhof Trogen

Der Bahnhof Trogen wurde zusammen mit der Trogenerbahn 1903 erbaut und ist mit seinem «Schweizerhäuschen-Stil» nicht nur intakter Zeitzeuge der Bahn- und Dorfgeschichte, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des Ortsbildes. Insbesondere die beiden westlichen Villen auf der gegenüberliegenden Strassenseite, die Elemente des Schweizer Holzstils und des Jugendstils vereinen, ergeben zusammen mit dem alten Bahnhof ein wertvolles Ensemble. Stilistisch gehört der Bahnhof dem Historismus an.
Eine besondere Stellung geniesst der Bau weiter als sogenanntes «polyfunktionales» Stationsgebäude: Das Gebäude war damals in erster Linie Bahnhof, beherbergte zugleich aber auch die Post und Wohnungen für die Angestellten. Obwohl die Unterbringung dieser verschiedenen Funktionen geläufig war, sind heute Vergleichsbeispiele nur schwer zu finden. Diese Doppelfunktion lässt sich am Grundriss sowie auch an der Kubatur des Gebäudes ablesen. Der Bahnhof wird leider noch nicht als Schutzobjekt geführt, figuriert aber im ISOS (Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung) als A-Objekt. Gemäss
Moritz Flury, Denkmalpfleger Kanton St. Gallen hat das Gebäude die Bedeutung eines Schutzobjektes.
Weitere Informationen über die Baugeschichte in «Der Bahnhof von Trogen – Kunsthistorisches Gutachten» (Moritz Flury, 2000).

Aktueller Stand

Seit dem Einreichen der Einsprachen im Oktober 2017 ist auf der rechtlichen Seite noch nicht viel passiert. Einige Gutachten sind in Zwischenzeit erstellt worden. Ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) ist noch in Arbeit.

Mehr erfahren und helfen

Alter Bahnhof Trogen (2018)
Alter Bahnhof Trogen (2018)
Alter Bahnhof Trogen (2018)

Kontakt bei Rückfragen

Verein Alter Bahnhof Trogen
alterbahnhof(at)gmx.ch

«100-jährig ist er das letzte Zeugnis aus der Zeit des Baus des 'Trogner-Bähnli'. Die einen sagen, er sei Kitsch, die andern, er passe nicht ins Appenzellerland. Ich sage: Er ist Ausdruck jener Zeit um 1900, als dieser Chalet-Stil in Mode war; er erinnert an stolze Fremdenverkehrszeiten.»
Moritz Flury, Denkmalpfleger Kt. SG (Appenzeller Zeitung 2011)

«Das Haus hat den Wert eines Schutzobjektes»
Moritz Flury, Denkmalpfleger Kt. SG

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