Holzhaus aus der Zeit um 1300, Steinen SZ. Abbruchbewilligung superprovisorisch gestoppt
Holzhaus aus der Zeit um 1300 (links), Steinen SZ. Abbruchbewilligung superprovisorisch gestoppt
Holzhaus aus der Zeit um 1300, Steinen SZ. Abbruchbewilligung superprovisorisch gestoppt
Holzhaus aus der Zeit um 1300, Steinen SZ. Abbruchbewilligung superprovisorisch gestoppt
Holzhaus aus der Zeit um 1300, Steinen SZ. Abbruchbewilligung superprovisorisch gestoppt

2. Juli 2018: 700-jähriges Holzhaus bleibt weiterhin geschützt

Klammheimlich hat der Regierungsrat des Kantons Schwyz im Sommer 2017 eines der ältesten Holzhäuser Europas in Steinen SZ zum Abbruch freigegeben. Die Schwyzer Regierung hat diesen Entscheid in voller Kenntnis der einzigartigen kulturellen Bedeutung dieses 700-jährigen Holzhauses getroffen. Die klaren und deutlichen Empfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege hat er damit in den Wind geschlagen. Für die Regierung waren die wirtschaftlichen Interessen der Eigentümer wichtiger als der Erhalt des Holzhauses, das in den Jahren der Gründung der Eidgenossenschaft erbaut wurde.

Gegen diesen fatalen Entscheid haben der Schweizer Heimatschutz und seine Schwyzer Sektion beim kantonalen Verwaltungsgericht Beschwerde eingereicht. Dieses hat die Abbruchbewilligung im Herbst 2017 superprovisorisch gestoppt, um den Sachverhalt zu prüfen. Eine Zerstörung dieses Kulturdenkmals ist für den Moment aufgeschoben – vom Tisch ist der Abbruch jedoch noch nicht. Der Schweizer Heimatschutz und seine kantonale Sektion sind für den Aufschub dankbar und warten aktuell auf den Gerichtsentscheid.

Ein Kulturerbe von internationalem Rang geht schleichend verloren

Die ältesten Holzhäuser Europas stehen rings um den Kantonshauptort Schwyz. Nicht nur das Alter der Gebäude ist beeindruckend, sondern ebenso ihre relativ hohe Zahl auf engem Raum. Anstatt stolz auf diese einmaligen baulichen Zeugnisse aus der Zeit der Gründung der Eidgenossenschaft zu sein, tut sich der Kanton Schwyz mit diesem kulturellen Erbe von internationaler Bedeutung schwer.

Heute sind knapp dreissig Holzhäuser aus dem zwölften bis vierzehnten Jahrhundert im Talkessel von Schwyz bekannt. Wie viele es genau sind, lässt sich nur schätzen: Der Kanton Schwyz hat es bis heute unterlassen, ein systematisches Inventar zu erstellen – mit dem Resultat, dass solche historisch einmaligen Objekte erst entdeckt wurden, als bereits Abbruchbewilligung vorlagen.

Seit fast 20 Jahren ein bekanntes Problem

Der Schweizer Heimatschutz muss sich seit fast 20 Jahren gegen die Zerstörung mittelalterlicher Wohnhäuser zur Wehr setzen. Bereits um die Jahrtausendwende wurde das älteste Holzhaus Europas, das «Haus Nideröst» in Schwyz (Baujahr 1176) trotz scharfer Kritik der Fachwelt und der Bevölkerung abgebaut und durch einen Investorenbau ersetzt (Siehe hier). Das Haus steht heute wiederaufgebaut in Sattel SZ.
Im Herbst 2013 entdeckte die kantonale Denkmalpflege im Schwyzer Dorfbach-Quartier ein ganzes Ensemble von mittelalterlichen Holzhäuser auf engstem Raum. Leider zu spät, wie die Schwyzer Regierung entschied: Trotz des spektakulären Befundes wurde die Abbruchbewilligung nicht zurückgezogen. Als letztes Stück Erinnerung steht die «Schwarze Stube» heute im Forum für Schweizer Geschichte in Schwyz (Mehr hier und hier).
Im Sommer 2017 hat der Kanton ein weiteres dieser mittelalterlichen Holzhäuser zum Abbruch freigegeben – diesmal in Steinen SZ. Gegen den bewilligten Abbruch reichten daraufhin der Schweizer Heimatschutz und seine Sektion Schwyz beim Verwaltungsgericht Beschwerde ein. Der Heimatschutz forderte den Entscheid betreffend Abbruchs aufzuheben sowie den Abbruch oder eine Veränderung am Holzhaus zu verbieten. Der Abbruch ist seither auf Anordnung des Verwaltungsgerichts gestoppt.
Ferien im Baudenkmal, die Stiftung des Schweizer Heimatschutzes, hat indes das Haus «Tannen» in Morschach SZ vor dem Zerfall gerettet. Seit dem Herbst 2017 kann das um 1341 erbaute Holzhaus für Ferien gebucht werden.

Es braucht endlich Verbindlichkeit und Verantwortung!

Diese fortschreitende Zerstörung der mittelalterlichen Holzhäuser im Talkessel von Schwyz muss endlich gestoppt werden. Der Schweizer Heimatschutz fordert vom Kanton Schwyz die Erstellung eines verbindlichen und systematischen Inventars über diese kulturellen Schätze von internationaler Bedeutung.

Ebenso steht der Kanton in der Verantwortung, für einen klaren Schutz und eine angemessene Pflege dieser einmaligen Bauten aus der Zeit der Gründung der Eidgenossenschaft einzustehen.

Kontakt bei Rückfragen

Schweizer Heimatschutz
roteliste@heimatschutz.ch  

Bund stoppt Abriss des 700-jährigen Hauses von Steinen. (2. Juli 2018)

«Die Innerschweiz besitzt damit eine im gesamteuropäischen Vergleich einzigartige Profanlandschaft [...] in Europa gibt es nichts vergleichbares.»

Gutachten, Eidg. Kommission für Denkmalpflege

«Diese Objekte sind nicht einfach nur für Schwyz oder für Steinen relevant, sondern für die ganze Schweiz. Ich will wirklich den Mund nicht zu voll nehmen. Aber die Häusergruppe ist von europaweiter Bedeutung. Sie ist einmalig.»

Nott Caviezel, Oberster Denkmalpfleger, Interview mit der Luzerner Zeitung 

Weitere Fälle

Erfolg / Mund ob Naters, VS

Rettungsaufruf über Facebook wirkt!

Ein engagiertes Paar kauft über 500-jähriges Holzhaus und will dort nun verwirklichen, was unmöglich erscheint: das Objekt wieder bewohnbar machen. Auf das Gebäude sind sie dank eines Hinweises des Heimatschutzes auf Facebook gestossen.

Verlust / Wettingen, AG

Murihof – ein Fall von «Denkmalentsorgung»

Anfang Oktober 2018 wurde illegal, ohne Baufreigabe zwei Drittel des historisch bedeutenden «Murihofs» in Wettingen zerstört. Das Niederreissen des Ökonomieteils sowie des neueren Wohnungsanbaus kommt einem gravierenden Rechtsbruch gleich, den der Aargauer Heimatschutz nicht hinzunehmen gewillt ist.

Laufend / Zürich, ZH

«Tabula rasa» anstatt historischen Pfauensaal

Im Juli 2018 präsentierte der Zürcher Stadtrat Umbaupläne für das Theater am Pfauen. Das Schauspielhaus am Heimplatz soll modernisiert werden. Dem Projekt würde der historisch bedeutende Theatersaal Pfauen zum Opfer fallen. Die von der Stadt angeführten Gründe für die Preisgabe des Saals ist für viele nicht nachvollziehbar. Der Heimatschutz hat deshalb Rekurs eingelegt.

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